Ein unbequemer Stuhl und das Wunder des Menschseins


Ich sitze in einem Kaufhaus in Innsbruck, in einer dieser kostenlosen Möbelecken, die irgendwo zwischen Großzügigkeit und Resteverwertung schweben. Der Stuhl ist unbequem, aber warm ist es hier – und das reicht. Hinter meinem Laptop sehe ich durch die Glasfront auf das bunte Treiben der Stadt. Menschen mit Einkaufstaschen, Kinder in dicken Jacken, darüber imposante, schneebedeckte Berge, die seit tausend Jahren über diese Stadt wachen. Die Sonne bricht durch die Wolken und legt ein helles Band über die Dächer. Ich versinke in Gedanken.
Vorgestern hatte ich ein Seminar bei einem Kunden – ein Zusammenschluss verschiedener Pflegeeinrichtungen. Es ging um unzufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Haar in der Suppe finden, selbst wenn die Suppe eigentlich ganz gut ist. Menschen, die das Positive nicht sehen, obwohl es da ist. Ich kenne das. Wir alle kennen das. Vielleicht ist es sogar ein Stück weit unsere evolutionäre Grundausstattung.